Der Soroptimist International (SI) Club Uelzen lud anlässlich des Weltfrauentages zu einem Benefizkonzert der besonderen Art in das Foyer der Jabelmannhalle in Uelzen ein
Das jährliche Benefizkonzert stellt eine lange Tradition des SI Clubs dar und gilt als eines der Veranstaltungshighlight des Jahres, weiß Präsidentin Dr. Monika Refardt im Rahmen der Begrüßung zu berichten.
Zu Gast war Stefanie Golisch mit ihrem Programm „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“. So sang sie Arien und Schlager aus den „Goldenen Zwanzigern“ und griff ein Stück vergessene Musikgeschichte auf. Die Künstlerin bot Lieder von Komponisten dar, welche alle in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und Österreich verfolgt und ins Exil getrieben wurden.
Stefanie Golisch trug sehr unterschiedliche Lieder, ausdrucksstark, kraftvoll, emotional und mit ganzer Natürlichkeit, selbst begleitend mit Klavier und Akkordeon, vor. Sie nahm die Gäste zu jedem Stück mit lebendig vorgetragenen kurzen Geschichten und den dazugehörigen Biografien der Komponisten mit auf einen Weg gegen das Vergessen einer einzigartigen Epoche. Auch Hugo Hirsch, welcher aus einer kleinen polnischen Stadt stammte und unter anderem Komponist des Liedes „Wer wird denn weinen, wenn man auseinander geht“ ist, war jüdischer Herkunft und musste nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus Berlin fliehen. Seine Operetten brachten es in den Zwanziger Jahren in ganz Europa zu Laufzeiten, wie es heute nur noch die ganz großen Musicals am Broadway schaffen, weiß Stefanie Golisch zu erzählen. Es habe Zeiten gegeben, da liefen an vier Theatern in Berlin zugleich Werke von ihm. Seine Schlager waren als Gassenhauer in aller Munde. Nachdem er emigrieren musste, verschwand sein Gesamtwerk tief im Abgrund der Vergessenheit, so Golisch.
Es erklangen ebenso Melodien aus der Czardasfürstin von Emmerich Kalman, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ aus dem Blauen Engel von Friedrich Holländer, aber ebenso Lieder wie „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Heute ist der schönste Tag in meinem Leben. Trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas konnten die Herzen der Zuhörenden so aber auch mit der Leichtigkeit und der Schönheit der Musik erreicht und berührt werden.
Immer wieder, vor allem zum Ende hin, stimmte das Publikum im Foyer der Jabelmannhalle mit ein. Das Partisanenlied „Bella Ciao“, einst durch eine Reispflückerin in der Po-Ebene Italiens als Arbeitslied entstanden, dient auch heute noch als Ausdruck des Protests gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Die Gäste des Abends machten mit der Künstlerin deutlich, welche Bedeutung und Kraft das Lied auch aktuell hat. So konnte der Internationale Frauentag eingeläutet werden.
Das von den SI Clubschwestern selbst zubereitete schmackhafte Fingerfoodbuffet rundete den Benefizabend für alle Gäste ab.
Der Erlös der Benefizveranstaltung kommt Kindern und Jugendlichen der Musikschule für Landkreis und Hansestadt Uelzen e.V. zugute, deren Familien die musikalische Bildung aus verschiedensten Gründen nicht ermöglichen können.
Auch waren Spendenboxen für das so wichtige Projekt des Clubs „In Würde altern“ aufgestellt, denn insbesondere Frauen leben oftmals mit so geringen Renten und unterhalb des Existenzminimums, dass sie am gesellschaftlichen Leben kaum oder nicht teilnehmen können, berichtet Refardt. „Da sind eine Tasse Kaffee, ein Theaterbesuch oder auch eine Fußpflege nicht machbare Dinge.“ Der SI Club Uelzen möchte das Thema der Altersarmut auch weiterhin gesellschaftlich sichtbar machen und sich dagegen einsetzen.